*Wissenschaftliches Programm*   *Liste der Vortragenden*

Sektion 17
Montag, 18.09.2000, 14.00–14.20 Uhr, WIL B 321

Mathematiker in der Naturforschenden Gesellschaft Isis zu Dresden

Waltraud Voß, TU-Dresden; Arbeitstelle ”Geschichte der TU Dresden”

Die Gründung der Naturforschenden Gesellschaft Isis zu Dresden geht auf den Dezember des Jahres 1833 zurück. Rückblickend sagte Prof. Geinitz, der damalige Vorsitzende der Gesellschaft, im Jahre 1874: ”Die Zeit der Stiftung unserer Isis fällt in die Zeit des Aufkeimens der Naturwissenschaften in Sachsen, in eine Zeit, wo das Studium der Naturwissenschaften noch lange nicht als ein allgemeines Bildungsmittel, sondern vielmehr als Ballast und Luxus, zum Teil auch verächtlich betrachtet wurde, wo die öffentlichen Mittel dafür noch spärlich flossen.” Als Aufgaben hatte sich die Isis u.a. gestellt:

die Verbreitung mathematisch-naturwissenschaftlicher Kenntnisse in gemeinverständlicher Vortragsweise und
die Förderung allgemein mathematisch-naturwissenschaftlicher Angelegenheiten durch gemeinschaftliches Handeln.
1876 lösten sich die Mathematiker aus der Sektion für Mathematik, Physik und Chemie der Isis heraus und bildeten eine eigene Sektion, die ”Dresdner mathematische Gesellschaft”. Angeregt von Gustav Zeuner, arbeiteten auch Vertreter der technischen Wissenschaften – besonders im letzten Viertel des 19.Jh. – aktiv in der mathematischen Sektion mit. Auch von dieser Seite konnte der ”antimathematischen Bewegung” erfolgreich entgegengesteuert werden. Bereits in Oskar Schlömilchs Wirken sowohl an der Hochschule als auch in der Isis wurde der Dreiklang ”Mathematik – Anwendungen der Mathematik – Geschichte und philosophische Probleme der Mathematik” deutlich. Das Bestreben, die fachspezifischen Ergebnisse in einen größeren Rahmen einzuordnen, sie in wissenschaftsgeschichtlichem und philosophischem Zusammenhang zu sehen und auch ihre gesellschaftlichen Bezüge zu erkennen, finden wir auch bei späteren Dresdner Mathematikern, so bei Königsberger, Harnack, Krause, Helm, Kowalewski, und auch das Bestreben, zur Erhöhung der gesellschaftlichen Akzeptanz der Mathematik beizutragen.

In die Diskussion der Fragen zur Reform des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts hatte sich die Isis aktiv und erfolgreich eingeschaltet, schon 1847, als ein neuer Lehrplan für die höheren Schulen des Königreiches Sachsen und das (erste) Prüfungsregulativ für Kandidaten des höheren Schulamts ausgearbeitet wurden, als auch später, Ende des 19. und Anfang des 20.Jh. und in den Zeiten der Weimarer Republik.