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Arbeitsgemeinschaft
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Entwicklung und Analyse von räumlich
interagierenden stochastischen Modellen und deren Anwendung auf Strukturbildungsprobleme in der Entwicklungsbiologie In der Entwicklungsbiologie wird erforscht, auf welche Weise die genetische Kontrolle von Zellwachstum, Zelldifferenzierung und Zellspezialisierung zur Entwicklung von komplexen Organismen führt. Dabei untersucht man beispielsweise die Strukturbildung während der Embryogenese. Ein Embryo besteht zunächst aus vielen identischen Zellen. Im Zeitverlauf beobachtete man, dass diese Zellen zu unterschiedlichen Zelltypen differenzieren und sich in charakteristischer räumlicher Form anordnen. Wie entsteht diese räumliche Heterogenität? Woher bekommt eine einzelne Zelle die Information über ihre Rolle im Entwicklungsprozess? Es gibt dazu im Wesentlichen zwei Theorien. Die erste besagt, dass sogenannte Morphogene, das sind miteinander reagierende diffusible chemische Stoffe, ein globales Pre-Muster bilden, an dem sich die Zellen orientieren können [Turing, 1952]. In der Tat sind inzwischen viele Morphogene bekannt, die eine Rolle bei der Morphogenese spielen. Beim zweiten Erklärungsansatz wird die Strukturbildung als Resultat einer sogenannten Selbstorgansiation gesehen. Es wird vermutet, dass die Zellen ihr Verhalten am Zustand ihrer unmittelbaren Umgebung ausrichten, also nur lokale Informationen haben. Durch die Vielzahl der Wechselwirkungen können dabei komplexe Strukturen entstehen. Bei dem geschilderten Problem aus der Embryogenese wird ein solcher Mechanismus angenommen. Typische Fragestellungen sind nun, welche Wechselwirkungen zwischen den Zellen tatsächlich zu Selbstorganisation führen, welche Art der lokalen Interaktion in welche Struktur mündet oder durch welche Einflußgrößen die Musterbildung gesteuert werden kann. Nur mit Hilfe geeigneter mathematischer Modelle lassen sich die genannten Fragen beantworten. Hier bietet sich insbesondere die Modellklasse der stochastischen interagierenden Vielteilchensysteme (VTS) an. Ein VTS ist ein Fellerprozess mit einem speziellen Zustandsraum, dem sogenannten Konfigurationenraum [Liggett85]. Es ist geeignet, die zeitliche Entwicklung von räumlich ausgebreiteten, lokal miteinander wechselwirkenden Individuen zu beschreiben. Bisher existierende Modelle wurden vor allem im Hinblick auf Anwendungen in der statistischen Physik entwickelt. In diesem Kontext sind VTS vor allem Werkzeuge, um typisches Verhalten im thermodynamischen Gleichgewicht zu charakterisieren. In der Entwicklungsbiologie sind es jedoch vor allem dynamische Konzepte, die durch ein geeignetes Modell präzisiert und analysiert werden sollen. Deshalb ist es wichtig, neue, an die biologische Fragestellung angepasste VTS zu entwickeln. Die Analyse dieser Modelle ist aus mathematischer Sicht herausfordernd, da es sich um Markovprozesse mit unendlich-dimensionalen Zustandsraum handelt. Viele ad-hoc Methoden, die in heuristischen Überlegungen verwendet werden, sind mathematisch noch nicht ausreichend fundiert. Es entstehen tiefliegende mathematische Probleme, die nur durch innovative Weiterentwicklung der vorhandenen Methoden zur Analyse von VTS bearbeitet werden können. Mitarbeiter
A.
Voß-Böhme W.
Schenk
N.
Hohmann
Seminare
SS 2011: Seminar Stochastik: Monte
Carlo Methoden
(Mo., 2.DS, WIL B 307)
WS 2009/10: Stochastische Vielteilchensysteme: Konstruktion und
Langzeitverhalten (Di., 3.DS, C 133)
WS 2009/10: Nachweis der Ergodizität von Stochastischen Vielteilchensystemen über
Dualitätsbeziehungen (Do., 4.DS, C 205)
SS 2009: Dualität für
interagierender Vielteilchensysteme
WS 2008/09: Ausgewählte Themen zum Langzeitverhalten interagierender
Vielteilchensysteme
WS 2006/2007, SS 2007: Gibbs-Maße
Vorlesung
SS 2007: Einführung in die
Theorie der Vielteilchensysteme (2+0+0) [Skript]
Freie Diplomthemen
-
Zusammenhang
zwischen Dualität und Symmetrien bei stochastische Vielteilchensystemen -
Konstruktion
von Vielteilchensystemen mit nichtkompaktem lokalen Zustandsraum -
Beschreibung
von zufälligen Feldern mit Erhaltungsgrößen mittels geeigneter
Subspezifikation -
Markovsche Modelle für
biologische Regulation Doktoranden
Tobias
Klauß (2008) (verantw.
Hochschullehrer Prof. D. Ferger) Diplomanden
T.
Buder (ab 07/2011) (verantw. Hochschullehrer Prof. D. Ferger) T.
Körner (2011) (verantw. Hochschullehrer Prof. A. Deutsch)
N.
Hohmann (2010) (verantw. Hochschullehrer Prof. D. Ferger) Daniel Karrasch (2009) Katharina Olsen (2007) Thomas Babiel
(2007) Ann-Kathrin Koellner
(2006) David Wierse
(2006) Martin Achtnicht
(2006) Michael Kiersch
(2006) A. Voß--Böhme, 12.5.2011 |