Programmier- und Bedienungshandbuch – 15 Simulation verschiedener Instrumente

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15.  Simulation verschiedener Instrumente

Die meisten modernen Synthesizer oder Sampler können in einem „Multi-Mode“ betrieben werden. Hierbei kann jedem MIDI-Kanal eine eigene Klangfarbe zugeordnet werden. Auf diese Weise kann ein einziges Gerät bis zu sechzehn verschiedene Instrumente (Klangfarben) simulieren. Wie Sie im vorigen Kapitel gelesen haben, nutzt MUTABOR diese Option aus, um auf diese Weise mikrotonale Polyphonie zu ermöglichen.

Leider beansprucht MUTABOR zur Ansteuerung der Mikrotöne für jeden gleichzeitig liegenden Ton einen eigenen MIDI-Kanal1 . (Ein vierstimmiger Akkord belegt also immer vier MIDI-Kanäle.) Deshalb muss der Synthesizer zum Musizieren mit MUTABOR so eingestellt werden, dass er auf jedem MIDI-Kanal dieselbe Klangfarbe spielt2 . Um diese Reduktion auf nur eine Klangfarbe im Betrieb mit MUTABOR zu verhindern, können Sie die Kanalzuordnung selbst definieren. Stellen Sie die Klangfarbenzuordnung an Ihrem Synthesizer/Sampler z.B. so ein, daß die MIDI-Kanäle eins bis acht ein Klavier und die Kanäle neun bis sechzehn ein Streichorchester spielen. Wenn Sie im normalen Betrieb nun einen 12-stimmigen Akkord anschlagen, so werden die ersten acht Töne vom Klavier und die letzten vier vom Streichorchester gespielt. Dies macht offensichtlich keinen Sinn. Nun können Sie aber dem MUTABOR- Compiler mitteilen, dass die Kanäle 1–8 vom ersten Instrument belegt werden und die Kanäle 9–16 vom zweiten. Dies reduziert die maximale Polyphonie auf acht Stimmen pro Instrument, ermöglicht aber dafür die Simulation mehrerer Instrumente.

Sie können so z.B. ein Streichquartett oder eine beliebige andere Kombination verschiedener Instrumente simulieren.

Sie treffen in der MidiKanal-Deklaration eine Zuordnung, welcher MIDI-Eingabekanal welchen MIDI-Ausgabekanälen zugeordnet werden soll. Wenn Sie keine MidiKanal- Deklaration angeben, so wird diese Zuordnung mit

  MIDIKANAL  
     1 -> 1-16

initialisiert. Das bedeutet, dass alle NOTE-ON bzw. NOTE-OFF-Meldungen, die über die MIDI-Schnittstelle auf MIDI-Kanal 1 vom Masterkeyboard empfangen werden, an Kanäle 1 bis 16 weitergeleitet werden.

In unserem Beispiel eines Musikstücks für „Klavier“ und „Streichorchester“ würde die MidiKanal-Zuordnung lauten:

MIDIKANAL  
     1 -> 1-8  
     2 -> 9-16

Dies bedeutet, dass alle NOTE-ON- bzw. NOTE-OFF-Meldungen, die auf MIDI-Kanal 1 empfangen werden, an das „Klavier“ weitergeleitet werden und alle auf Kanal 2 empfangenen an das „Streichorchester“. Grundvoraussetzung hierfür ist, dass Sie an Ihrem Synthesizer/Sampler den Multi-Mode richtig eingestellt haben und die Pitchbend-Range bei jeden Instrument einen Halbton beträgt.

Das Besondere bei der Benutzung mehrerer MidiKanäle ist, daß MUTABOR bei dieser Aufspaltung jeden MidiKanal als völlig eigenständig behandelt. Verschiedene MidiKanäle können zur gleichen Zeit unterschiedliche Stimmungslogiken oder Tonsysteme spielen.

Auf dem Bildschirm wird aber nur eines der Instrumente/Kanäle angezeigt. Welches das ist, kann mit den Zifferntasten 1–9 gewählt werden. Auf diesen angezeigten MidiKanal (Instrument) bezieht sich auch der Auslöser Taste.

LOGIK  
    Hans  Taste h = drittel_ton [ ]  
    Meier Taste m = halb_ton [ ]  
MIDIKANAL  
    1 -> 1-8    "Klavier"  
    2 -> 9-16   "Streicher"

Wenn das Klavier in der Logik Hans spielen soll, so drückt man zunächst die Tasten ‘1’ und ‘h’. Wenn dann die Streicher in der Logik Meier spielen sollen, so drückt man die Tasten ‘2’ und ‘m’. Dabei wechselt man zunächst zum MidiKanal 2 und aktiviert dann die Logik Meier. Der Wechsel zum MidiKanal 2 bleibt bestehen, so dass Sie nicht vor jeder einzelnen Umstimmung den MidiKanal vorwählen müssen. Da bisher keine MidiKanal-Deklaration benutzt wurde, gab es nur den MidiKanal 1 und man brauchte nie eine Ziffer vorzuwählen. Natürlich kann durch eine erneute Zifferntaste zum nächsten MidiKanal gewechselt werden. Es sind aber nur so viele MidiKanäle vorhanden, wie in dem Logik-Programm deklariert wurden. Auf MidiKanäle, die nicht deklariert wurden, reagiert MUTABOR einfach nicht.

Die MidiKanäle müssen nicht fortlaufend durchnummeriert werden. Man kann z.B. auch deklarieren:

MIDIKANAL 4 -> 1-16

und schon reagiert MUTABOR nur auf den MIDI-Kanal 4. Dies ist für die Zusammenschaltung mehrerer MUTABOR bzw. mehrerer Synthesizer in einer MIDI-Kette wichtig.

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Mittwoch, 29. März 2006, 13.51 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit