Viele Probleme sind nicht eingegangen - nur 19 Aufgaben, von denen dann auch noch die Hälfte unthematisch war. Ich weiß nicht, ob die Erklärungen in dem Ausschreibungsartikel nicht richtig gelesen wurden oder ob ich mich so undeutlich ausgedrückt hatte. Deshalb möchte ich nochmals die zwei wesentlichen Kriterien erläutern. Erstes Kriterium für Linienkombinationen im allgemeinen ist die Kausalität zwischen den Linienaktivitäten, z. B. weil/ eine Linie aktiviert wurde, kann eine andere aufgegeben werden, oder weil/ eine Linie deaktiviert wurde, darf nicht noch eine zweite aufgegeben werden, oder weil/ eine Linie noch aktiv ist, kann eine andere im Drohspiel aufgebene werden, weshalb/ in den Paraden die erste deaktiviert wird, etc. Zweites Kriterium war Hüpferspezifik, was eindeutig in der Ausschreibung des Turniers definiert wurde: Aktivierung durch Hinzug eines Bocksteines bzw. Deaktivierung durch Wegzug des selbigen. Im Orthodoxen erfolgt die Aktivierung durch Abzug (= Linienöffnung) und die Deaktivierung durch Hinzug (= Linienverstellung). Also genau umgekehrt. Häufig wurde z. B. Lion + Sprungbock wie eine einfache Linienfigur verwendet. Das war nicht im Sinne der Ausschreibung und nicht hüpfertypisch, auch wenn der Ersatz durch eine solche Linienfigur aus anderweitigen Gründen nicht möglich ist.
Soweit etwas Prinzipielles - nun zu meinem Urteil über die thematischen und korrekt gebliebenen Aufgaben.
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Kjell Widlert 1. Preis, 7. harmonie-TT 1994
Lions a3; a8, c4 Rosenlion f4 |
Dieses Stück hat mich schon beim ersten Ansehen begeistert. Beim Vergleich mit den anderen konkurrierenden Stücken ist die Begeisterung noch gewachsen. Mit minimalem materiellen Aufwand wird in äußerst komprimierter Form Linienthematik mit moderner Funktionswechselthematik kombiniert. Nach 1.RLc1? kann Weiß in der Drohung dem LIa3, der h3 deckt, den Sprungstein entziehen, weil gleichzeitig die Rosenlionlinie c1-b3-c5-e6-g5-h3 durch Hinzug des wLe3 nach g5 aktiviert wird. Daraufhin verstellt Schwarz diese Rosenlionlinie präventiv mit 1.- Sc5. Also Lewman-Parade. Gleichzeitig wird aber - Hüpfer sei Dank - die gleiche Linie aktiviert, weshalb dem LIa3 doch sein Bock entzogen werden kann, allerdings durch einen anderen Zug: 2.Lf2#, was Thema B ergibt. Widerlegt wird diese Verführung natürlich (?) hüpferspezifisch: 1.- LIg2, wonach sich 2.Lg5 wegen Selbstschach verbietet. Lösung ist 1.RLf8! (2.Lf2#) Sc5 2.Lg5# (1.- LIg8 2.RLb4#) - erneut Lewman und Thema B sowie zusammen mit der Verführung le Grand. Einfach genial!
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Juraj Lörinc Hans Peter Rehm 2. Preis, 7. harmonie-TT 1994
Lions g8; b4 Turmlions b6, d2, h4; c1 Läuferlions h2; a2, e7 |
Themafelder sind d6 und c4, die im Diagramm von LLion h2 bzw. TLion h4 gehalten werden. In den Mattversuchen 1.Se6?=A und 1.Sd3?=B werden durch den Sprungbockentzug gleichzeitig beide Deckungen aufgegeben. Gleichzeitig werden aber durch den speziellen Hinzug Lion g8 oder Turmlion d2 eingeschaltet und eines der Themafelder wieder gedeckt. Der sK nimmt sich natürlich das ungedeckt bleibende Feld: 1.- Kd6!=x bzw. 1.- Kc4!=y. Weiß muß also warten, bis sich Schwarz eines der Felder selber nimmt. Oder er versucht, selber diese Felder in Griff zu bekommen: 1.g3? droht 2.Se6#=A, wonach der wB den wS als Sprungbock ablöst; 1.- Kd6=x 2.Sd3#, aber 1.- TLIc6!=a widerlegt hüpfertypisch: Ausführung der Drohung wird zum Sprungbockhinzug mit Selbstschach. Analog ist die zweite Verführung: 1.g4? (2.Sd3#=B) Kc4=y 2.Se6#=A, 1.- LIb1!=b. Die Buchstabenalgebra ergibt bislang schon Bannij und Pseudo-leGrand. Lösung: 1.Kh5! droht 2.LIg1#. Die Paraden 1.- TLIc6/LIb1=ab schalten durch Sprungbockhinzug bzw. orthodoxe Linienöffnung Deckungen von d6 bzw. c4 ein. Nun kann der Sprungbock Sf4 zum Matt abziehen: 2.Se6/Sd3#=AB. Also Thema B und bei Fortsetzung der Buchstabenalgebra auch Dombrowskis. Insgesamt viel moderner Funktionswechsel und hüpfertypische Linienaktivitäten, aber, das ist mein Hauptkritikpunkt, im Sinne der Turnierausschreibung etwas dünn: nur 2x Thema B in der Lösung und zudem ist einer der zugehörigen Linieneffekte orthodox.
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Sven Trommler 3. Preis, 7. harmonie-TT 1994
Grashüpfer: a7, e1, f1; d2, d8 Lions: a8, g8 Equihopper: h7; h2 Känguruh: e8 |
Hier gibt es insgesamt 3 Paare von Themalinien - je eine Hüpferlinie und eine (effektiv) orthodoxe: LIa8-e4 + Ge1-e4, LIg8-c4 + La2-c4 und LIf5-c5 + Ga7-c5. Die Hüpferlinien haben d5 als gemeinsamen Schnittpunkt, auf welchen auch die Themaparade erfolgt. 1.c6? aktiviert LIa8 und droht 2.Se2#, 1.- Gd5 verstellt LIa8 wieder (Thema A), aber dient gleichzeitig LIg8 als Sprungbock, c4 ist gedeckt und Weiß kann nun La2 verstellen (Thema B): 2.Sb3# (2.b7?). Schwarz widerlegt durch 1.- Sg3!. Das wiederholt sich nun nochmals in einer zweiten Verführung und der Lösung: 1.Ke6? (2.Sb3#) Gd5 2.b7# (2.Se2?), 1.- KAe2! und 1.LIh5! (2.b7#) Gd5 2.Se2# (2.Sb3?). Insgesamt 3x Thema A (faktisch orthodox), 3x Thema B (auch nur halb hüpfertypisch), aber leGrand-Zyklus. Sehr erstaunlich, wie alles zusammenarbeitet und wie der Autor den Wust von Linien und Märchenpuppen im Griff behalten hat, aber hier setzt auch die Kritik an: viel Material, von dem nicht in jeder Phase alles benötigt wird, und der Einsatz von Equihoppern und dem Känguruh ist rein technischer Natur.
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Sven Trommler 1. ehrende Erähnung, 7. harmonie-TT 1994
Lions a8, f1, g5; f8 |
Alles dreht sich darum, einen Stein auf die Waagerechte g5-a5,b5 zu bringen. Versucht Weiß dies mit 1.e5/f5? droht doppelt 2.Sa6# und 2.Sd3# - der wS kann die Linien a8-a5 bzw. f1-b5 verstellen, weil gleichzeitig die Linie g5-a5,b5 aktiviert wird. Schwarz verstopft letztere deshalb endgültig: 1.- LIf5/e5! = Lewman. In der Lösung 1.Kc1! (2.LIb1#) wird Schwarz gezwungen, LIg5 einzuschalten: 1.- LIf5/e5, worauf Weiß seinerseits Linien verstellen kann = Anti-Lewman: 2.Sa6/Sd3#. Auch hier gibt es Anklänge an moderne Funktionswechselthematik a la Dombrowskis und Hannelius sowie Dualvermeidung.
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5 Waldemar Tura 2. ehrende Erwähnung, 7. harmonie-TT 1994
Paos a4, a6, h5; g1, g7 Vaos a2, b1, e6, g2, h7, h8; c8, e8, f7 |
Das erste Stück ohne Funktionswechsel weißer Züge, dafür sauberes Linienspiel mit Dualvermeidungen. Nach 1.VAh3! droht 2.Sf5#, wobei Weiß die Linie a4-e4 aufgegeben und Linie h7-e4 aktivieren kann. Schwarz schließt deshalb präventiv diese zweite Linie, aktiviert dabei aber selber diese Linie und erlaubt den beliebigen Abzug des wSd4, der aber durch andere Effekte differenziert wird: 1.- PAg6/VAg6 2.Sc6/Sb3# (2.Sb3/Sc6?). Also Themen A & B mit Dualvermeidung. Ein weiteres Dualmeidungspärchen gibt es nach 1.- PAg4/VAg4 2.Sf3/Sc2# (2.Sc2/Sf3#).
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Franz Pachl Markus Manhart Lob, 7. harmonie-TT 1994
Grashüpfer b5, d1, f2, h1; c8, e3, e8 Känguruh a1 |
Vier Lewman-Paraden mit sT-Kreuz und thematischen Verführungen: 1.Tc2/Td2/Te2/Tb3? Tf5:/Td5/Te6/Te4!, 1.Ta2! (2.Sf3#) Tf5:/Td5/Te6/Te4 2.Df5:/Le3:/Tg4/Se4:#. Leider ist die Hüpferspezifik wenig ausgeprägt.
Insgesamt 6 schöne Probleme, die das Turnier trotz geringer Beteiligung und hoher Ausfallquote zu einem Erfolg werden ließen. Allen Teilnehmern gilt mein herzlicher Dank und den Autoren der erfolgreichen Probleme mein Glückwunsch.
Dersden, den 16.12.1994